Dieter Zorn & Uschi Kallus

 

Echte Eidechsen

(Lacertidae)

In meinem Bericht über westeuropäische Reptilien dürfen natürlich auch die Eidechsen nicht fehlen, zumal nicht, da sie in großer Zahl in meiner unmittelbaren Nähe leben.

Über 75% der in Europa lebenden Echsen gehören zur Familie der Echten Eidechsen. (Lacerriden) In ca. 180 Arten besiedeln sie den größten Teil Europas, und sind auch zahlreich in Afrika und Asien vertreten. Während einige Arten (Smaragdeidechsen, Perleidechsen) oft über einem halben Meter lang werden, sind 25cm für die häufigsten Arten (Mauereidechse, Zauneidechse) schon Längen die sie selten erreichen. Diese nennt man auch Kleinlacerten.
Echte Eidechsen sind flinke, agile Tiere, und überwiegend tagaktiv. Sie besitzen (ähnlich wie Schlangen) ein Jakobsoniches Organ, mit dem sie mittels der Zunge, Duftstoffe präzise analysieren können. Sie sind Raubtiere, und ernähren sich hauptsächlich von wirbellosen Tieren. Angeblich sollen sie auch gelegentlich auch pflanzliche Nahrung zu sich nehmen, was ich aber trotz intensiven Beobachtens nicht bestätigen kann. Einerseits können, vor allem die Männchen, ein ganz schönes Drohgebaren an den Tag legen, (Kopfnicken, hervorwölben der Kehle) anderseits können sie bei großer Gefahr den Schwanz abschmeißen. Das irritiert ihre Feinde, und gibt oft eine Gelegenheit zur Flucht. Der Schanz wächst, wenn auch bei weiten nicht so schön, wieder nach.
Nach der Winterruhe paaren sie und legen, je nach Art, 2-6 Eier. (bei den großen Arten können es bis zu 20 sein) Aber wie immer, gibt es auch hier Ausnahmen, die Waldeidechse (Lacerta vivipara) bringt ihre Jungen lebend zur Welt.
Echte Eidechsen sind sehr gesellig, oft teilen sich sogar mehrere Arten einen Lebensraum.

Zwei der bekanntesten Eidechsenarten Europas leben zurzeit in unmittelbarer Nähe unserer Caravans, so nutze ich die Gelegenheit zu diesem Bericht.

Keine 5m von unserem Waggon befindet sich ein gewaltiger Holzstapel. Ich konnte beobachten dass er von Eidechsen bewohnt wird, aber keine ideale Fläche zum Sonnenbad hat. Ich besorgte ein großes Stück Baumrinde, und befestigte es an einer Stelle die möglichst früh von der Sonne beschienen wurde. Schon am nächsten Morgen konnte ich folgendes Photo machen:

Die Perleidechse
Timon lepidus (vor Umbenennung: Lacerta lepidus)

Perleidechsen erreichen Länge von 50 bis 75cm und sind damit die größten europäischen Eidechsen In Mittel- und Südeuropa sind sie weit verbreitet, und vereinzelt findet man sie auch im Nordwesten Afrikas. Sie bevorzugen trockene, sonnige Biotope, mit zahlreichen Verstecken (Steinige Gelände, Geröllhügel, freiliegende Baumwurzeln, und in besiedelten Gebieten leben sie in Holzstapel, Bahndämmen, Ruinen …….)
Sie sind die „Formel 1“ europäischer Echsen, blitzschnell können sie in ihre Verstecke verschwinden, auch wenn diese etliche Meter entfernt sind. Sie sind hervorragende Kletterer, aber ihre markanteste Eigenschaft ist ihre Aggressivität. Ihr Verhalten erinnert mich eher an einen wilden Waran, als an eine Eidechse. Da ich den Holzstapel vom Fenster meines Waggons aus, beobachten kann, konnte ich häufig Streitereien unter ihnen beobachten, die meisten in Beißereien enden. Ich konnte beobachten wie sie zu zweit eine Katze vertrieben, und selbst vor mir haben sie nur wenig Respekt. Als ich beim photographieren, dieses besonderes schönen Männchens, versucht habe es auf einen grünen Untergrund zu scheuchen, griff es mich an. Ich hätte die Möglichkeit gehabt den Frechdachs mit einem schnellen Griff zu fangen, aber ich wollte nicht riskieren, dass er seinen Schwanz abwirft. Also versuchte ich es mit einem Stock, doch als er in sah, verbiss er sich sofort darin.

Anheben, schütteln, und selbst das Drehen des Stocks konnte kein Loslassen bewirken.

Die Echse biss so feste zu, dass das Holz knackste, und ich war froh, dass nicht mein Finger „bearbeitet“ wurde.
Erst als ich, nach einigen Minuten, den Stock auf den Boden legte, (auf Gras natürlich) und ich mich etwa 2m zurückzog, ließ die Echse los. So konnte ich doch noch mein Photo mit grünem Untergrund machen

Nach dem ich mich nicht mehr bewegte, verließ dieser vor Kraft protzende Jüngling ohne Stress den Ort des Geschehens. Doch nach kurzer Zeit war er wieder auf „seiner“ Baumrinde und sonnte sich. Für 2 Wochen waren wir Nachbarn, dann hatte sich die Sonnenlaufbahn so verändert, dass die Bestrahlung auf den Holzstapel zu kurz wurde, und die äußerst wärmebedürftige Echse sich ein neues Zuhause suchen musste.

Früh morgens haben sie noch keine Energie, so konnte ich dieses 50cm lange Weibchen vorsichtig in die Hand nehmen, als es mir in aller Frühe, beim Vorbereiten unserer Plakate, über den Weg lief. Wenn Perleidechsen schlüpfen haben sie eine bräunliche Grundfärbung, doch währen beim Männchen meist ein Leben lang braungraue Farbtöne dominieren, werden die Weibchen oft leuchtend grün. Beide haben meist blaue Punkte.

Ich hütete mich sie irgendwie festzuhalten, denn sie war viel größer und kräftiger als das junge Männchen, konnte also mit Sicherheit noch kräftiger zubeißen.


Als Belohnung fürs Modell stehen gab ich ihr eine afrikanische Heuschrecke, die sie sofort, in meinem Beisein, verspeiste.
Normalerweise ernähren sie sich von Insekten, Weichtiere, Wirbellose, kleine Echsen, (auch ihre eigenen Jungen), größere Exemplare wagen sich gar an kleine Mäusen ran.
Wenn sie vor den zahlreichen Feinden verschont bleiben, (vor allen Dingen vor freilaufenden Hauskatzen) können sie über 10 Jahre alt werden. (in Gefangenschaft sind 20 Jahre keine Seltenheit)

 

 

Die Kleinlacerten:

Die Mauereidechse
(Podarcic muralis)

 

Die Zauneidechse
(Lacerta agilis)

 

Zauneidechsen und Mauereidechsen werden nur selten über 20cm lang, oft werden sie nicht mal 15cm.
Sie sind nicht ganz so wärmebedürftig, so kann sie ihr Verbreitungsgebiet nördlich bis nach Südskandinavien, und östlich bis Asien ausweiten. Überall wo es ruhig und sonnig ist, und wo es zahlreiche Verstecke gibt, fühlen sie sich wohl.
Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Würmern und Insekten.

Als Besonderheit ist zu bemerken, dass die Männchen in der Paarungszeit eine grüne Färbung bekommen. Diese kann den Kehlbereich, die ganze Unterseite, und manchmal das ganze Tier verschieden stark färben.

Vor einem unserer Wohnwagen liegen zwei Strommaste aus Beton, dazwischen wurde Geröll geschüttet. Ein idealer Lebensraum für Zauneidechsen, so haben sich etliche Tiere, aus drei Generationen, dort eingenistet

In der Mittagszeit wird der Beton so heiß, dass die Echsen beim Sonnenbad Kopf, Schwanz und Beine anheben müssen.

Obwohl sie sich an uns gewöhnt haben, lassen sie uns nicht näher als einen Meter an sich heran.
Oben seht ihr ein Weibchen, unten ein Männchen.
Die Männchen haben länglichere Köpfe und einen etwas längeren Schwanz. Oft sind die Weibchen wesentlich schwächer gezeichnet.

Unser Freilichtterrarium ist oft interessanter als der Medien-Müll mit dem wir überschwemmt werden. Ständig ist da was los, und man kann lange zuschauen bevor es langweilig wird.

Der Nachwuchs gewöhnt sich wesentlich schneller an uns, einige, darunter auch dieser Winzling, werden sogar so zutraulich, dass sie sich anfassen lassen.

Beim Pflücken von Löwenzahn für unsere Leguane stieß ich auf die Baby-Eidechse, und da sie nicht den geringsten Versuch machte zu fliehen, konnte ich mit der Kamera mal ganz nah ran.

Damit ihr mal sehen könnt wie klein sie ist, habe ich sie zusammen mit einem 5Cent Stück auf die Motorhaube unseres Autos gelegt und photographiert.

Nicht nur um unsere Wohnwagen leben einheimische Reptilien in Freiheit, sondern auch darin.

 

Der Mauergecko
(Tarentola mauritanica)
Gekkonidae

Vor einigen Jahren hat es sich ein Gecko im Belüftungssystem unseres Waggons häuslich gemacht. Es scheint ihm zu gefallen, denn er lebt immer noch bei uns, und hat sogar Gesellschaft bekommen. Da die Tiere nachtaktiv sind, und nur bei völliger Dunkelheit aus ihrem Versteck kommen, bekommen wir sie nur selten zu sehen. Dafür aber häufig nachts zu hören. Doch als Uschi nachts noch mal raus wollte, fand sie zwischen ihren Schuhen einen dort versteckten Mauergecko.

Obwohl es mich sehr freut, dass es sich sogar frei lebende Reptilien bei uns freiwillig niederlassen, war die Freude noch größer, als ich eines Tages besuch von einem Mitglied einer neuen Generation besucht wurde. „Unsere“ Geckos hatten Nachwuchs!!!

Grade mal 6cm, aber voll süß, und vor Allem, bereit für ein selbständiges Leben.

Mauergeckos können bis zu 16 Zentimeter lang werdenden. Besonders auffällig sind ihre verbreiterten Zehen mit Haftlamellen (Saugnäpfe) dran. Damit können sie an einer Glasscheibe, und sogar an der Decke, entlang laufen. Und noch eine Besonderheit haben diese kleinen stacheligen „Monster“, sie können ihre Farbe ändern. Zwar nicht so extrem wie Chamäleons, aber von Grau bis Braun können sie variieren. Außerdem reflektieren sie beim Sonnenbad durch „verdunkeln“ weniger Sonnenstrahlen.
Fast ganz ums Mittelmeer herum ist ihr Verbreitungsgebiet. Früher lebten sie überwiegend in Mauern, mit Denen Felder und Weinhänge befestigt wurden, aber „Dank“ der Insektenvernichtungsmittel finden sie da nicht mehr genügend Futter. Heute leben die wenigen überlebenden im Gemäuer und Gebälk von Wohnhäusern. Besonders zahlreich findet man sie in den Sanitäranlagen der unzähligen Campingplätze. Liegt wohl an den Massen an Fliegen die sich dort laben, und das absolute Lieblingsfutter für die Geckos darstellen. Ansonsten fressen sie Fluginsekten, Heuschrecken, Asseln und Spinnentiere.
Im späten Frühling legen die Weibchen meistens 2 Eier aus Denen dann im Spätsommer etwa 5cm lange Junge schlüpfen. Mauergeckos halten keinen richtigen Winterschlaf, sondern werden bei sinkender Temperatur nur inaktiv, so kann sich bei einem warmen Winter der Vermehrungszyklus nach vorne verschieben.
Mauergeckos sind äußerst scheue Tiere, sie müssen sich, da sie sich nicht besonders zahlreich vermehren, besonders sorgsam vor ihren vielen Feinden (Eulen und Schlangen) schützen.
Doch da die Tiere immer mehr auf kultivierte und bebaute Biotope angewiesen sind, sind die Gifte, und die Haustiere der Menschen die größte Bedrohung. So flink sie sich auch in Ritzen und Spalten verstecken können, auf dem Boden sind sie jedem Hund, oder Katze hilflos ausgesetzt.
Zum Schluss noch eine Karte, damit ihr seht wo ihr diese interessenten Tiere selber mal beobachten könnt