Dieter Zorn & Uschi Kallus

 

Amphibien (Amphibia), auch Lurche genannt, sind in unzähligen Arten auf (fast) der ganzen Welt so stark vertreten, dass man ihnen eine eigene Homepage widmen sollte.
Doch, obwohl sie mich begeistern, kann ich auf dieser Reptilien-Site nur die wichtigsten Vertreter vorstellen. (es gibt ja noch so viele Schlangen über die ich noch nicht berichtet habe)

Allein die Froschlurche (Frösche & Kröten (Anura) ) sind mit etwa 4000 Arten vertreten. In Europa leben allerdings nur 25 Arten. Ob die Tiere Frösche oder Kröten heißen ist eine Sache der Benennung (ähnlich wie Viper oder Otter bei den Schlangen). Meist werden die plumperen und warzigeren Tiere Kröten genannt, währen man die schlankeren, eleganteren Tiere Frösche nennt.

Die markantesten Erkennungsmerkmale der Froschlurche:

 

Je nach Art haben sie:
eine mehr oder weniger warzige Haut,
2 seitliche Schallblasen, oder eine groß Kehl-Schallblase, (fehlen bei manchen Arten)
Haftscheiben an den Fingerspitzen,
Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterbeine

Beginnen wir mit der häufigsten Amphibienart in Europa:

 

Die Erdkröte (Bufo bufo)

Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Echte Kröten (Bufo)

Auch auf freiem Feld gut getarnt, die Erdkröte

Die Erdkröten sind fast in ganz Europa verbreitet und fehlen nur in Irland, auf Island und im äußersten Norden Skandinaviens. (siehe Karte am Ende des Berichts) Außerhalb Europas leben noch einzelne Populationen im Norden von Marokko, Algerien und Tunesien. Sie gehört damit zu den am weitesten verbreiteten Amphibien überhaupt.
Sie zählt zur Gattung der Echten Kröten (Bufo) und ist nicht nur ihr wichtigster europäischer Vertreter, sondern auch Größter. Sie erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 10cm, wobei die Weibchen 2-3cm größer werden. Es gibt aber auch Exemplare (besonders bei der Unterart Bufo bufo spinosus (Mittelmeer-Erdkröte) die erheblich größer werden. Wie die Kröte, die sich in meinem Plakat-Vorrat (unter unserem Waggon) häuslich eingerichtet hatte.


Mit 17cm Kopf-Rumpf-Länge war dieses Weibchen schon so groß wie eine durchschnittliche Aga Kröte (Bufo maurinus)(weltgrößte Kröte aus Amerika (38cm Guinness-Rekord))

Ob es sich bei diesem zutraulichem und photogenen Tier um die Mittelmeer-Unterart Bufo bufo spinosus handelte kann ich nicht sagen, denn spitze Hornwarzen und weiße Flecken, die sonst häufig sind, fehlen.

Abgesehen von den warzigen Hautdrüsen, die den Grossteil des Körpers bedecken, besitzen sie hinter dem Kopf (in Augenhöhe) stark hervortretende, ovale Drüsen (Parotiden). Diese produzieren giftige Sekrete, und dienen der passiven Abwehr von Fressfeinden, aber auch als Schutz vor Parasiten und Mikroorganismen. Im Maul, und vor allen Dingen im Magen ihrer Fressfeinde, bewirkt es Bluthochdruck und kann motorische Zentren im Gehirn, sowie das Rückenmark des Räubers lähmen.
Schon im Altertum wurden Krötengifte als Heilmittel verwendet. Es ist das am längsten bekannte, und angewandte Tiergift.

Bei der Wahl ihres Biotops sind Erdkröten sehr flexibel, nur 4 Kriterien sind maßgebend:
Nahrungsangebot, zahlreiche gute Verstecke, gelegentlich gute Sonnenbestrahlung, und ganz wichtig, ein stehendes Gewässer (bevorzugt knietief) in der Nähe. Dieses ist zur Vermehrung unbedingt nötig.
Im Frühjahr wandern Erdkröten in wahren Horden vom Winterquartier zum Laichgewässer.
(dabei wird leider ein beachtlicher Teil von Autos überfahren).
Dort angekommen laichen die Weibchen (nach einigen Tagen Aufenthalt im Wasser) meterlange Laichstränge, die bis zu 6000 Eier enthalten. Die Männchen befruchten den Laich beim Austritt aus der Kloake des Weibchens, indem sie ihr Sperma darauf spritzen und (mit Hilfe ihrer Hinterbeine) verteilen.
Erdkrötenmännchen besitzen, im Gegensatz zu den oft im gleichen Verbreitungsgebiet lebenden Kreuzkröten, keine Schallblasen. So fällt ihr Gequake während der Laichperiode wesentlich leiser aus.
Aus dem Laich entwickeln sich nach mehreren Tagen die Kaulquappen.
Etwa 10 Wochen später beginnt die Metamorphose von der unterwasserlebenden
Kaulquappe, zur Luft atmenden Kröte.


Entwicklung: Ei, Larve, Kaulquappen, Mutationsstufe, fast entwickelt (noch Reste vom Schwanz)

Photos von den wichtigsten Entwicklungsstufen der Froschlurche

unten: die Verwandlung ist abgeschlossen.

Obwohl diese winzige Erdkröte noch locker auf meinem Daumennagel Platz findet, ist sie nun voll entwickelt

Da ich diese Baby-Kröte sehr lustig finde, zeige ich euch noch 2 weitere Photos von ihm

Nach 3-4 Jahren werden die Tiere geschlechtsreif und haben dann in der Natur noch etwa 6 Jahre um sich zu vermehren. In Gefangenschaft können sie aber bis zu 3-mal so alt werden.
Die vielen Feinde (Marderarten, Waschbären, Schlangen, die Krötengoldfliege (Lucilia bufonivora). (Diese Schmeißfliegenart legt ihre Eier auf die Erdkröten ab. Kurze Zeit später schlüpfen die Larven und kriechen durch die Atemwege in den Kopf der Kröte und zerfressen das Gewebe) Und nicht zu vergessen, der Plattegel (der saugt die Tiere oft so aus, dass sie an Schwäche sterben) verkürzen die durchschnittliche Lebenserwartung erheblich. Doch Dank ihres zahlreichen Nachwuchses konnten sie sich bisher behaupten.
In Deutschland liegt zurzeit noch keine Gefährdung des Bestands vor. In Österreich droht eine Gefährdung, und in der Schweiz gelten sie bereits als gefährdet.
Erdkröten ernähren sich von Insekten, Spinnen, Würmern, Schnecken, und große Exemplare auch von kleinen Vögeln und Nagern.
Außerhalb der Paarungszeit sind sie dämmerungsaktiv, jagen aber gelegentlich auch nachts.
Wie alle Amphibien sind sie wechselwarm, halten bei geringen Temperaturen eine Winterruhe, und häuten in unregelmäßigen Abständen.

 

Die Kreuzkröte (Bufo calamita)

Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Echte Kröten (Bufo)

Eine ihrem Lebensraum angepasste Kreuzkröte (gut sichtbar, die roten Ohrdrüsen)

Im Verhältnis zur Erdkröte werden sie nur halb so groß, ihr Verbreitungsgebiet ist ebenfalls nur halb so groß (siehe Verbreitungskarte am Ende des Berichts), ihr Laich enthält nur etwa halb so viele Eier, aber dafür entwickeln sich die Kaulquappen mit mehr als doppelter Geschwindigkeit. Ebenfalls ist ihr Gequake (Dank der Schallblase) um ein vielfaches lauter. Bei günstigen Bedingungen ist es Kilometer weit zu hören, und in unmittelbarer Nähe, ganz schön nervend und schlafraubend.

Lebensart, Biotope, Futter, Feinde und Vermehrungsweise entsprechen in etwa denen der Kreuzkröten. Als Echte Kröten (Bufo) haben sie ebenfalls waagerechte, elliptische Pupillen.
Erkennungsunterschiede: Am auffälligstem ist wohl die dünne, hellere Längslinie, die sich mitten auf dem Rücken, von der Nase bis zum Ende des Rumpfs zieht. Auffällig sind auch die Parotiden (Giftdrüsen) am Hinterkopf, die, wie auch ihre größeren Warzen, rötlich gefärbt sind. Eine andere Besonderheit sind ihre sehr kurzen Hinterbeine, mit der die Kröte kaum hüpfen kann. Deshalb erinnert ihre Fortbewegung stark an das Krabbeln eines Kleinkindes.

Diese junge Kreuzkröte lässt mein Herz höher schlagen, und ich bin froh, dass es solche „Schreihälse“ noch in meiner Nachbarschaft gibt

Leider sind sie fast in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet gefährdet. In der Schweiz sind sie als „stark gefährdet“ eingestuft, und in Österreich sogar als „vom Aussterben bedroht“.

Ihren natürlichen Feinden konnten sie sich erwehren, doch die neuen Feinde, die ihnen der moderne Mensch „beschert“ (Pestizide, Umweltverschmutzung, Autos, Haustiere, Gullys die den Tieren (besonders beim Absaugen) oft zur tödlichen Falle werden, usw.) bringen sie (wenn wir nicht bald was tun) zum Aussterben.
Aber es gibt auch Lichtblicke, so werden neuerdings an Straßen, die von großen Krötenwanderungen überquert werden, so genannte Krötentunnel gebaut. Doch solange die Felder hinter dem Tunnel weiter mit Gift bearbeitet werden, ist das nur so was wie „der sichere Weg ins Verderben“

 

 

Der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea)
&
Der Mittelmeer-Laubfrosch (Hyla meridionalis)

Familie: Baumfrösche (Hylidae)
Gattung: Laubfrösche (Hyla)

Hyla meridionalis (Klar ersichtlich warum er Laubfrosch heißt)

 

Die Laubfrösche sind mit 5 Arten in Europa sehr weit verbreitet. (siehe Karte)
Die Europäischen- und die Mittelmeer Laubfrösche sehen sich zum verwechseln ähnlich, doch einen gut sichtbaren Unterschied gibt es; der braune Seitensteifen, der beim Mittelmeer Laubfrosch nur von Auge, über das äußere Trommelfell (Ohr), bis an die Vorderbeine reicht, ist beim Europäischen Laubfrosch ein durchgängiger dunkler Seitenstreifen. (Hüftschlinge)
Sie können ihre Farbe ändern, sind aber im Allgemeinen uni hellgrün, es gibt aber auch Tiere die zum Gelb oder Orange tendieren, und manchmal haben sie auch Flecken. Ihr Bauch ist heller, und meist cremefarbend.
Früher zählten Beide zu einer Art, und der Mittelmeer Laubfrosch galt als Unterart von Hyla arborea. In Gebieten wo beide Arten vorkommen, leben sie leben sie Seite an Seite, kreuzen ihre Arten aber nicht. Es liegt wohl daran, dass die beiden Arten ganz verschiedene Paarungsrufe haben, die von den Männchen im „Chor“ dargeboten werden.
Um den, für menschliche Ohren, fürchterlichen Radau zu erzeugen, blasen die Männchen ihre großen Schallblasen auf, und pressen die Luft dabei durch eine Stimmritze.
Erwachsene Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 5cm. An den Finger- und Zehenspitzen haben sie Haftscheiben, mit denen sie auch auf glatten Flächen klettern können, und zwischen den Zehen der Hinterbeine haben sie Schwimmhäute.
Mittelmeer-Laubfrösche halten, im Gegensatz zu anderen mitteleuropäischen Amphibien, keine Winterruhe.

Ihre bevorzugten Biotope sind Täler mit Bächen, Sümpfe, Weinberge, Wiesen, Felder und Gärten. Dort halten sie sich bevorzugt in Gebüschen und Baumkronenauf.
Am aktivsten sind sie in den frühen Morgenstunden, und am frühen Abend, dann jagen sie Insekten, Spinnentiere und Würmer.

Dieser Mittelmeer-Laubfrosch war grade auf der Jagt nach Spinnen, als ich ihn vor die Linse bekam.
Nach einiger Zeit, und etlichen Photos, wurde er neugierig, und ich konnte ganz nah heran. So kann man ganz deutlich die Saugnäpfe am Ende seiner Zehen sehen.

Zur Krönung stellte er sich direkt vor dem Objektiv in Pose, und, um genau zu überprüfen was ich da mache, sprang er mit einem gewaltigen Satz auf mein Knie.


Das Paarungs-Ritual der Mittelmeer-Laubfrösche läuft ähnlich wie bei den Kröten ab, nur viel kollektiver, und viel, viel lauter. Allerdings sind sie viel bescheidener bei der Wahl des Laichgewässers, Brunnen, Gräben und Zisternen reichen ihnen völlig.
Die Männchen besteigen den Rücken der Weibchen und klammern sich dort stundenlang mit den Vorderbeinen fest. Kommt es zum Austritt der Eier aus der Kloake, werden diese vom Männchen besamt.
Die Weibchen setzen bis zu 60 sehr kleine Laichklumpen ab, die jeweils 10 bis 30 Eier enthalten. Diese werden unter Wasser an den Wasserpflanzen geheftet.
Die Embryonalentwicklung dauert nur zwei bis drei Tage, und nach einem 4-6monatigen Leben als Kaulquappe, verwandeln sie sich in kleine Frösche.

Als dieser wenige Tage alte, und etwa einen Zentimeter große „Europäische Laubfrosch“ (zu erkennen am langen Seitenstreifen) meinen Weg kreuzte hatte ich leider nur meine Kompaktkamera dabei, und da dieses kleine Wesen fast ohne Unterbrechung hüpfte, konnte ich leider nur unscharfe Bilder von ihm machen
Laubfösche werden innerhalb von 2 Jahren Geschlechtsreif, und rein theoretisch könnten sie 15 Jahre alt werden, wenn sie nicht die gleichen Feinde hätten wie die Kröten.

Laubfrösche haben, wie die meisten Land bewohnenden Frösche, eine große Kehl-Schallblase.

 

 

Die Echten Frösche

Der Grasfrosch (Rana temporaria)
&
Der Wasserfrosch (Rana esculenta, neu: Pelophylax esculentus)

Gattung: Echte Frösche (Rana)



Die Echten Frösche teilt man in zwei Gruppen; Die Braunfrösche (Grasfrosch, Moorfrosch….) und die Grünfrösche (Seefrosch, Wasserfrosch, Teichfrosch….), obwohl es bei beiden Gruppen grüne, und braune Tiere gibt.

Links ein Grasfrosch, rechts ein Wasserfrosch.

 

Frösche der Gattung Rena sind fast auf der ganzen Welt vertreten, nur in einigen Regionen in Australien und Südamerika fehlen sie. Europäische Arten haben einen schlanken, taillierten Körper (Buckel) mit langen Beinen, und einer relativ glatten Haut. Während die Grünfrösche ein überwiegend aquatisches leben führen, sind die Braunfrösche, außerhalb der Laichperiode, überwiegen terrestisch.

Ein Grasfrosch sucht zum Laichen ein flaches Gewässer


Die Wasserfrösche unterscheiden sich durch: Näher aneinander stehende Augen, kein dunkler Seitenfleck hinter dem Auge, und vor allem, durch die beiden seitlichen Schallblasen, die sich hinter ihren Mundwinkeln befinden. (sähe ja auch zu lustig aus, wenn sie jedes Mal beim Quaken, durch den Auftrieb der riesigen Kehlblase, aus dem Wasser gehoben würden)

Wasser- und Teichfrösche haben 2 seitliche Schallblasen


Ansonsten ähneln Lebensweise, Ernährung und Vermehrung so stark an den vorher beschriebenen Froschlurchen, dass die Unterschiede nur Liebhaber der Tiere interessieren dürften. Allen, die sich intensiver mit ihnen beschäftigen möchten, empfehle ich sowieso Fachliteratur.

Wasserfrösche verlassen ihr Gewässer nur ungern, doch wenn es sein muss, (z.B. zum Sonnen) entfernen sie sich nie weit davon, so können sie immer blitzschnell darin verschwinden, und sich im schlammigen Grund vergraben.

Sonne und eine fette Fliege, da kann der Flucht-Trieb schon mal aussetzen, ansonsten ist es nicht leicht so nahe an die scheuen Tiere ranzukommen.

 


Zum Schluss noch die Verbreitungskarten der beschriebenen Tiere.