Obwohl unsere Hunde nicht in der Show auftreten sind sie ein wichtiger Bestandteil der Reptiles-Show

 

Dieter Zorn & Uschi Kallus

Unsere Hunde.

In meiner Jugend, als ich noch überwiegend in Städten lebte, hatte ich keine besondere Beziehung zu Hunden. Mir waren Katzen lieber als Hunde, die von ihren Herrchen an der Leine durchs Leben gezogen werden.
Erst 25 Jährig lernte ich in einem Urlaub in Südfrankreich, auf einem Campingplatz, einen (für mich) korrekten Hund kennen, einen streunenden Köter. Da keiner den kleinen Mischling kannte, und er oft durch die Nase pfiff, nannte ich in Flötus. Wenn er Lust hatte verbrachte er seine Zeit mit meinen Freunden und mir, wenn nicht ging er seines Weges. Immer wenn wir mit dem Auto Ausflüge machten wollte er mitfahren, und benahm sich dann wie ein langjähriger Familienhund. Wenn wir uns zur Ruhe begaben, begann Flötus zu streunen, aber morgens fanden wir ihn in meist bei einem von uns im Schlafsack.
Er war ein Hund ganz nach meinem Geschmack, ein richtiger Freundhund, den ich gerne mitgenommen hätte! Doch ein freier Hund in Deutschlands Städten???

Einige Jahre später führte uns (meine neue Lebenspartnerin Uschi und mich) die Europa-Tournee unserer Reptiles-Show auch nach Südfrankreich. Dort arbeiteten wir zusammen mit einem kleinen Zirkus. Da fast alle Zirkusfamilien zumindest einen kleinen Fifi haben, die frei rum pesen, lernten wir bald einige liebenswerte Hunde kennen. Und da wir nun einem Hund ein korrektes Leben bieten konnten, beschlossen wir uns unsere „Familie“ zu erweitern.

Jenny, unser erster Hund, ein reinrassiges Pinscher-Madchen

Ich sagte meinem Partner, er solle sich mal in seiner riesigen Familie, und seinen Kollegen umhören ob nicht irgendwo Hundenachwuchs erwachtet wird. Da wir, wie alle Gaukler, die Lieblinge der Götter sind, kreuzte nur wenige Tage später der größte Zirkus Frankreichs unseren Weg, dessen Hauptattraktion eine Clown-Nummer mit Hunden war. Einer der Clowns züchtete Pinscher, um Nachwuchstalente zu finden. Zufällig hatte er 8 Welpen, die er aber, obwohl sie schon 10 Wochen alt waren, noch nicht abgeben wollte, da er noch nicht entscheiden konnte welches Tier für seine Arbeit am besten geeignet war.
Doch da er von uns und unserer Arbeit angetan war, und er auch der Überzeugung war, dass uns ein Hund fehlte, durfte ich mir einen Welpen aussuchen, und bekam ihn sogar noch zu einem Zehntel des Vorgesehenen Verkaufpreises. (heute kann ich nur sagen „Bingo“)
Als ich mir Jenny aussuchte (es war das einzige Weibchen, und ich wollte n Mädchen weil die nicht so lange streunen) hatte ich noch keine Ahnung, dass ich nun einen der besten Hunde Welt besitze, und es sollte auch noch einige Zeit dauern bis ich es begriff.
Jenny wurde in einem Pony-Transporter geboren, und verbrachte dort auch die ersten 10 Wochen ihres Lebens. Doch Dank ihrer Eltern (der Vater spielte in der Clown-Nummer eine erschossene Leiche, und die Mutter kletterte auf einen 5m hohen Mast, und sprang von oben dem Dompteur in die Arme) und der zahlreichen Geschwister konnte sie einen sehr starken Charakter aufbauen.
Bei uns brauchte Jenny nur einige Tage um ihre neue Situation zu begreifen, und sofort begann sie mit ihren Versuchen die Führung zu übernehmen. Sie war ein kleiner, lieber, süßer, und herzzerreißender Clown, solange sie im Mittelpunkt stand, und alles so lief wie sie es wollte. Befehle (liebgesäuselt sowie gebrüllt) wurden prinzipiell überhört, und jede Bestrafung wurde mit „Gegenstrafe“ vergolten. Besonders beliebt war Pissen und Kacken auf Kopfkissen, Fahrersitz im Auto, Kleidung und überall wo es besonders nervt. Schnell hatte sie gelernt sich bei einem von uns einzuscheissern, um sich ungefährdeter an dem Anderen zu „rächen“. Sie trieb es so auf die Spitze, dass ich beschloss den Kampf mit dem Pinscher aufzunehmen.
Als erstes baute ich ihr eine Hütte mit verschließbaren Eingang, und ner schönen Kette dran. Der ständig drohende Verlust ihrer Freiheit bewegte sie Kompromisse zu schließen, und wenn wir unter uns waren, wurde sie umgänglich. Doch sobald Fremde anwesend waren, spielte sie ihre Rolle als süßer kleiner Tutu voll aus. Sie konnte beim kleinsten Klaps (oder auch nur anheben) so kreischen, als würde man sie mit nem Knüppel totschlagen. Oder wenn sie mal in den „Knast“ musste, und Fremde in der Nahe waren kannte sie so erbärmlich wimmern, dass die Leute denken mussten, sie wäre tagelang ohne Futter und Wasser eingesperrt. Doch die vermeintlichen Fremden waren ja Zirkusleute die unser Minimonster kannten, und auch noch lachten. Also beschloss sie nur noch Leute zu ihren Verbündeten zu machen, die sie nicht kannte. Besonders wenn ne Oma in der Nähe war wurde sie übermütig, so hat sie mal vor nem Supermarkt ein paar Minuten auf uns warten müssen. und da sich direkt neben unserem Auto zwei Omas angeregt unterhielten, und selbstverständlich auch mit dem süßen kleinen Hund geschäkert hatten, beschloss sie (in vermeidlicher Sicherheit) uns zu bestrafen. Sie stellte ihre Füßchen aufs Fenster am Fahrersitz und schaute uns freundlich und Schwanz-wackelnd entgegen. Im Moment als Uschi den Schlüssel ins Schloss steckte, ging sie in die Knie und kackte, während sie Uschi in die Augen schaute, auf den Sitz und fing gleichzeitig an zu kreischen als würden wir sie schlagen.
Die Damen hatten zwar von der Kackerei nichts mitbekommen, aber sie bemerkten dass Jenny schon wie verrückt am kreischen war, bevor die Türen richtig auf waren. Nun kam meine Stunde, ich schnappte mir das Tierchen, nahm sie so auf den Arm, dass ich ihr ungesehen (finnisch) in die Innenseite ihrer Hinterkeule kneifen konnte, was ich auch kräftig und ausgiebig tat. Sichtbar streichelte ich mit der anderen Hand ihren Kopf und heuchelte: ja was hat der kleine Hund denn, hast du aua aua, Dabei blickte ich ihr lächelnd in die Augen. Da das Gekreische ja nur Show war, und sie genau wusste dass Dieses auch der Auslöser für ihre Situation war, stellte sie es sofort ein, zumal die Omas ja nur mit dem Spruch „Wenn’s schlimmer wird zum Doktor gehen“ zur Hilfe kamen. Nun guckten wir und tief in die Augen, sie fing an ganz tief zu knurren und leicht die Zähne zu fletschen. Ich konnte sehen wie sie überlegte mich zu beißen, Aber schließlich war sie sich ihrer Schuld bewusst, und ich hatte gewonnen. Demonstrativ senkte sie den Kopf und blickte zum Boden. Jenny hatte begriffen dass ich mindestens genau so schlau (und link) war wie sie, und dass es besser ist mich zum Freund zu haben. Aber auch ich hatte gelernt, ein besonderer Hund brauch besondere Maßnahmen. Auf der Heimfahrt begann sie (während Uschi auf dem feuchten Sitz vor sich hin moserte) zum ersten Mal meine Hand zu lecken.
Das Eis war gebrochen, von nun an wollte sie nicht mehr Chef sein, sondern versuchte nun ein Maximum von unserem Zusammenleben zu profitieren

Jenny hatte als echter Zirkushund immer das Bestreben im Mittelpunkt zu stehen, und fand auch immer eine Möglichkeit. Hier bei Aufnahmen fürs öffentliche Fernsehen hatte sie es geschafft der Aufsichtsperson zu entwischen und sich auf die Bühne zu schmuggeln. So wurde Jenny ungeplant „der erste kleine TV Hund mit Riesenschlange um den Hals“
Mehr und mehr nahm sie an unserem Show-Leben Teil, so auch in den Pausen zwischen den Vorführungen

Jenny, wie immer hart am Limit, obwohl sie auf dem Bett nur auf ihrer Decke liegen darf, muss zumindest der Kopf auf der Menschendecke liegen.

Jennys Leben in Freiheit stärkte noch ihre Persönlichkeit, Menschen manipulierte sie, Hunde duldete sie nur wenn sie sich unterwerfen, Katzen und alles andere Viehzeug wurden verjagt.

Nach etwa einem Jahr waren ihre Fähigkeiten voll entwickelt, und das stellte sie auch gleich auf unserer ersten Ausstellung auf der Mittelmeermesse unter Beweis. Sie bewachte unser Zelt und vertrieb Jeden der versuchte sich ungebeten Einlass zu verschaffen. Normalerweise hatte Niemand das Recht nachts auf dem Messegelände zu bleiben, Nur wir hatten zur Aufsicht unserer teils gefährlichen Tiere eine Sondergenehmigung. Der Chef vom Sicherheitsdienst war nicht einverstanden, musste sich aber fügen. Er sagte uns dass nachts 10 Kampfhunde freigelassen würden, und außerdem noch einige Wachen mit großen Hunden steife gingen, wenn einer von Denen unsere kleine „Ratte“ sehen würden, währe sie reif.
Doch es kam anders: Jenny wahr ein Hund der vor gar nichts Angst hatte, und schon gar nicht vor gewöhnlichen Hunden. Wenn andere Hunde ihr Revier betraten (etwa 30m um Zelt und Wagen) mussten sie sofort Unterwürfigkeit signalisieren, sonst griff sie mit allen ihren Möglichkeiten an, und das waren einige. Sie hatte schon einige Kämpfe bestritten, die meisten gewonnen, aber ich musste sie auch schon mal aus dem Maul eines großen Hundes retten.
Dank ihrer Intelligenz verzichtete sie auf Kläffen, Drohgebärden, und Alles was den Eindringling verunsichern konnte. Mit hoch erhobenen Schwanz tippelte sie ihren Gegnern entgegen, um, wenn sie nahe genug war, blitzschnell loszuschießen, und bevorzugt in Nase oder Geschlechtsteil zu beißen. Danach wurden einige Haken geschlagen, und das Ganze so lange wiederholt, bis der Gegner flüchtete. Sie war so klein, flink und wendig, dass große Hunde kaum eine Chance hatten.
Als ich am nächsten Tag erfuhr, dass der Chef des Wachdienstes bei der Direktion beschwert hatte, „Die Witterung der Reptilien würde die Wachhunde so verängstigen, dass sie sich nicht in die Nähe unserer Show trauten“, musste ich lachen und an unsere Jenny denken. Ich war sehr stolz auf sie!
Wenn sie zu anderen Hunden ging war sie (zumindest zu den Kleinen) zugänglich, so schleppte sie (von ihren zahlreichen Erkundungsausflügen) schon sehr früh Nachwuchs an.


Jenny und ihre Tochter Paulinchen.

Die 5 Welpen (unbekannten Vaters) waren alle schwarz und glichen sich wie ein Ei dem Anderen. Sie waren sehr neugierig und lebhaft, aber im Gegensatz zu ihrer Muter sehr anhänglich und schmusebedürftig. Jenny war keine besonders geduldige Mutter, aber eine hervorragende Lehrerin. So bereiteten uns die Welpen keinerlei Schwierigkeiten, sondern nur viel Freude. Als wir nach 3 Monate bereit sie abzugeben waren sie schon stubenrein und „gut erzogen“

Wir behielten Paulinchen, weil sie das einzige Mädchen war. Außerdem verstand sie sich am besten mit ihrer Mutter, und war Lieblingsspielpartner von unserer Ziege Lisa.
Für einige Zeit waren unsere „Säugetiere“ in unserem Umkreis ein bekanntes Dreiergespann, doch leider erkrankte Paulinchen (etwa einjährig) an einem Tumor im Kopf, am dem sie, trotz Operation, einige Monate später einging.

Jenny und ich waren mittlerweile „Dicke Freunde“ Sie hatte volles Vertrauen zu mir, und folgte aufs Wort. Sie hatte begriffen dass ich ihr die größtmögliche Freiheit ließ, und jede Anweisung notwendig, oder positiv für sie ist.
So blieb sie bei Spaziergängen in Städten immer auf dem Bürgersteig, und beim Überschreiten einer Fahrbahn machte sie von alleine am Bordstein „Platz“ Dort blieb sie solange sitzen bis eines meiner Kommandos ertönte: Bei „bei Fuß“ blieb sie unmittelbar an meiner Seite, setzte sich wenn ich stehen blieb, und folgte sofort wenn ich weiter ging So konnten wir selbst 6 Spur Strassen in Marseille ohne Leine überqueren. Bei dem Befehl „Hop“ konnte sie die Strasse so überqueren wie sie wollte. Doch beim Kommando „Hop Hop Hop Hop“ peste sie los um auf schnellsten Weg au die andere Seite zu kommen. Wenn ich mal ein Kommando vergaß (passierte schon mal wenn Uschi und ich uns intensiv unterhielten) blieb sie sitzen, auch wenn ich über die Strasse ging.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich für das Großstadt-Training nur 2 Nachmittage brauchte. Eigentlich nur Einen, denn am ersten Tag hatte sie nur nicht verstanden, dass sie sich bei einem einfachen „Hop“ Zeit lassen kann

Da wir uns auf einander verlassen konnten, Jenny gefordert werden wollte, und sie es als Zirkushund liebte bewundert zu werden, beschloss ich mit ihr die Show-Nummer ihrer Mutter zu verbessern. An Stelle von „nur“ runter springen sollte Jenny auch sollte sie auch rauf fliegen.
Ich setzte sie auf einen Schrank, ohne Zureden sprang sie mir auf die Schulter, zurück, und noch einpaar mal hin und her. Danach setzte ich sie auf unseren Wohnwagen, zuerst wusste sie nicht was sie da sollte, und war froh dass ich sie rief, und sie runter konnte. Wie von einigen Klettertouren gewohnt, ließ sie sich mehr oder weniger in meine Arme gleiten. Bein 2.Versuch ging ich einen Meter zurück, nun musste sie springen, sie überzeugte sich ob ich auch Acht gebe, und sprang. Nach einigen Sprüngen, bei denen ich zum Fangen nun kniete, warf ich sie zum ersten Mal hoch. Das fand sie so toll, dass sie nicht mehr auf das Kommando „Alleeee Hop“ wachtete, sondern sofort in meine Arme sprang, um möglichst schnell wieder hochgeworfen zu werden. Beim nächsten Wurf wollte ich ihr eigentlich sagen dass sie erst mal Platzmachen und warten muss, doch sie kam mir zuvor, kaum das Dach berührt, machte sie einen Satz, rutschte die schräge Stirnseite bis zum Gaskasten runter, und sprang mir von da aus direkt vor die Füße, so ging’s noch schneller, und ich konnte mich aufs Werfen konzentrieren. Als ich anfing unseren großen Waggon (3.85m hoch) zu betrachten wusste Jenny sofort was auf sie zukam, aber sie war bereit. Ich hatte Bedenken sie nicht hoch genug zu werfen, oder nicht den richtigen Winkel zu finden, aber Jenny vertraute mir voll, war konzentriert und machte Alles richtig, so war gleich der erste „Flug“ wie tausend Mal probiert. Sanft landete Jenny auf ihren 4 Pfoten, und wollte wieder zurück springen, aber da bemerkte sie die (nicht nur für nen kleinen Hund) enorme Höhe. Sie drehte einige Runden auf dem Dach um nach zusehen ob es irgendwo nicht ganz so tief ist, doch da dies nicht der Fall war, machte sie sich bereit zu ihrem ersten „Todessprung“. Nach einpaar Anläufen, und gutem Zureden, sprang sie. Flug und Landung verliefen so gut, dass Jenny sofort weitermachen wollte. Nach einigen Sprüngen bekam sie nun auch Spaß an den Rückflügen, und sprang jetzt mit weit vorgestreckten Forderläufen. Das sah schon echt stark aus, und da meine Wurf- und Fangtechnik auch immer „graziöser“ wurde, kann man sagen, dass wir in weniger als 2 Stunden eine Zirkus reife, und spektakuläre „Hunde-Darbietung“ geschaffen hatten.
Die langen Flüge begeisterten sie genauso wie „Stöckchen holen“ einen normalen Hund, und genauso fand sie kein Aufhören.
Als wir abends für Uschi und einige Nachbarn unsere Nummer vorführten, bekamen die Sprünge für Jenny eine neue Dimension. Sie bemerke Anspannung der Leute (besonders Uschis) nachdem wir unsere Darbietung angekündigt hatten. Als sie nun, nach Spannung verbreitendem Vorspiel und perfekten Flug, oben gelandet war, und die Leute begannen zu applaudieren, begriff sie, dass sie grade was ganz besonderes machte. Sie genoss die Bewunderung, und achtete darauf dass Alle hinsahen bevor sie sich in Position stellte und sprang. Unter Beifall gab sie gerne eine Zugabe, ein neuer Zirkus-Star war geboren.
Einer der Zuschauer war eine befreundete Antiquitäten Händlerin. Sie war von Jenny und ihrem neuen Auftritt so begeistert, dass sie ihr ein sehr wertvolles und sehr altes Hunde-Kostüm von einer bekannten Pariser Manufaktur schenkte. Es ist aus echtem Raubkatzenfell und machte unsere Jenny zum „Super-Pinscher“ Jenny hatte sofort verstanden dass ihr Mäntelchen was ganz besonderes war, und trug es mit stolz.

Aber auch als Mutter war sie weiter aktiv, als Paulinchen starb wollten wir gerne noch mal Nachwuchs. Da ein befreundeter Schausteller ein fast-reinrassiges Pinschermännchen hatte, hofften wir bald auf Pinscherwelpen.

Schon bald hatten wir 4 normale Pinscherwelpen und ein kleines schwarz-weißes Plüschkuscheltier, welches wir Marylin nannten.

Nach einigen Wochen wurden die Welpen im Aussehen ihrer Mutter immer ähnlicher, außer Marylin, bei ihr konnte man, trotz gleichen Körperbaus und Kopfform, schon bald den Pinscher nicht mehr erkennen.

Wir beschlossen das kleine Kuscheltier zu behalten, sie war besonders anhänglich, lehrreich, folgsam und sauber. (aber dass sollte sich bald ändern) Wir dachten auch sie sei besonders intelligent, denn sie konnte alles als Erste, doch sie wollte nur besonders lieb sein, und machte nur ihrer Mutter alles nach. Sie war ne ganz Liebe, und dass blieb sie auch ihr ganzes Leben.
Alles Andere änderte sich schlagartig als wie in einem Sommerlager in freier Natur Besuch von einer Wildschwein-Horde hatten. Wir hatten uns auf ihrer Wanderrute installiert, und so kamen sie täglich morgens und abends bei uns vorbei. Wir brauchten nur einige Tage um uns aneinander zu gewöhnen, dann verloren einige Tiere sogar soweit ihre Scheu, dass sie von mir Futter aus der Hand annahmen, und sich zu Uschi gesellten, wenn sie beim Wäschewaschen für reichlich feuchten Boden sorgte, in dem sie sie wälzen konnten. Bei so einem Wildschwein-Bad beobachtete Marylin die Tiere, und beschloss es auch mal zu probieren. Dabei freundete sie sich mit einigen Ferkel und ihrer Mutter an, und wurde von ihnen adoptiert Sie folgte den Ferkeln tagsüber, abends kam sie zurück, und machte es sich bei uns bequem. Nach kurzer Zeit hatte sie sich in ne halbe Wildsau verwandelt, sie ließ kein Schlammloch aus um sich zu suhlen, und war zum totalen Streuner geworden.

Aus Marylin war ein lustiger „Zottel“ geworden, ihre erhoffte Intelligenz hatte sich Talent entpuppt Anderen alles perfekt nachzumachen. Aber darin war sie spitze, wenn Jenny anwesend war, konnte ich mich voll auf sie verlassen wenn sie z.B. beim Einkauf vor der Ladentür „Platz“ machten.

Normalerweise lebte Marylin im Schatten ihrer Mutter, aber beim abendlichen „Füßchen wärmen“ stelle sie Jenny in den Schatten. Mit Hingabe und weichem, warmen Fell bot sie einen Spitzenservice. Jenny machte nur unter Protest mit, der Wärmeffekt war mäßig, und außerdem kratzte ihr Fell.

Unsere Hunde sind immer dabei, doch während es Jenny gar nicht wild und aufregend genug sein kann, liebte Marylin es ruhiger, Fahrten mit unserem Schlauchboot wurden von Jenny genossen, (sie stand meist ganz Vorne und hielt ihre Nase in den Fahrtwind) doch von Marylin nur ertragen um bei uns zu sein.
Als unsere Reptiles-Show mal für eine Saison auf einem Luna-Park am Mittelmeer gastierte, war Jenny bei allen Schaustellern schnell beliebt, und hatte, wie immer, Sonderrechte. So konnten wir sie mitnehmen als wir mal die Attraktionen besuchten. Vom Kettenkarussell bis zur Achterbahn mit Looping, nichts wurde ausgelassen, und nichts war zu wild für Jenny. Beschleunigung, Geschwindigkeit, Höhe, Fall, und Drehungen begeisterten sie, also versuchten wir sie mit der Geisterbahn zu beeindrucken, doch die war ihr zu lahm, und für die Papp-Geister hatte sie nicht mal nen Blick über. Lustig wurde es erst als ein menschlicher Geist (ein Mitarbeiter dessen Aufgabe es war, mit Leuchtkostüm, Pappnase und feuchten Lappen, die Besucher zu schrecken) seine Arbeit uns gegenüber besonders gut machen wollte, und vorne auf unseren Wagen sprang. Da schoss Jenny los und biss dem Monster in die Nase. Ich hatte große Muhe sie im Wagen zu halten, denn zu gerne hätte sie das Phantom gejagt. Doch kaum draußen angekommen, stürzte sie sich zu Fuß in die Geisterbahn um die Sache zu klären. Obwohl die Bahn für kurze Zeit ausgeschaltet werden musste, war ihr keiner böse, wir alle kannten ja unsere Jenny.

Fast so gut wie Achterbahn, fand sie auch „Motorrad fahren“. Am liebsten mit meiner 125er Suzy, die hatte einen flachen Tank mit Kartentasche, den ich als Platz für ihre Hinterbeine ungebaut hatte. So konnte sie, je nach Lust und Geschwindigkeit, stehen, sitzen, oder sich auf den Tank legen. So konnten wir viele, auch weite Fahrten, unternehmen.

Sie half mir aber auch bei meiner Arbeit, kein Reptil blieb von ihr unbemerkt. Hier hatte sie eine giftige Trugnatter aus dem dahinter liegenden Gemäuer gescheucht, und solange in Schach gehalten, bis sie mich mit ihrem Gekläffe angelockt hatte Da die Schlange sehr aggressiv war, und ständig angriff, war es eine echte Leistung.

Ein ganz besonderer Hund braucht auch eine ganz besondere „Behausung“
Ich baute ihr eine Luxus-Hütte mit isolierten Wänden, doppelten Boden, doppelt verglastem Fenster, Luftzug hemmenden Vorraum, Federkissen, und nicht zu letzt mit Beleuchtung und Heizung. Jenny war sich der Exklusivität ihrer Villa bewusst, war mächtig stolz, und gab bei allen Bekannten damit an.

Marylin war trotz ihre „Wildschwein-Erziehung“ (oder vielleicht deswegen) das geborene Muttertier. In 10 fruchtbaren Jahren brachte sie jährlich 6-8 Welpen zur Welt. Wenn sie „heiß“ war verschwand sie für einige Tage (einmal länger als ne Woche) um sich einen geeigneten Partner zu suchen und zu Paaren.
Alle ihre Nachkommen vorzustellen würde den Rahmen sprengen, Zu viele, und zu verschiedene Väter (Spitz, Pudel, Fox, Dackel, Mopps und viele Andere) sorgten für eine unglaubliche Vielfalt an Welpen.
Sie war eine liebevolle, und vor Allem geduldige Mutter, und so wurden, auch Dank Jennys Hilfe, aus allen Welpen süße kleine liebenswerte Hündchen, die wir, auch Dank Jennys Anwesenheit, Alle gut unterbringen konnten.
Marylins letzter „Lover“ war ein kleiner Dobermannmischling, der uns die lustigsten Welpen bescherte.

Ein Welpe eroberte unsere Herzen, und wie alle süße kleine Hündchen, auch die Herzen aller Kinder und Omas. Wir hatten noch das ständige Marylin, Marylin, Marylin-Gerufe in den Ohren, und beschlossen deshalb unser neues Familienmitglied vor Hundeliebebedürftigen zu schützen, in dem wir ihr einen schwer auszusprechenden Namen gaben. Irgendwann hatte ich mal gesagt, sie sähe aus wie „der Pfurtz von nem Dobermann“, und da sich rausstellte dass das Wort Pfurtz von Franzosen nur schwer ausgesprochen werden kann, verfeinerte ich es in Pfürtzelchen. Kein Franzose konnte sich den Namen merken, und schon gar nicht aussprechen. (jeder Versuch hörte sich an wie ein Schnellkochtopf)
Pfürtzelchen sie sah aus wie ein Minni- Dobermann mit Schlappohren und Schnauzbart, und hatte auf der Brust eine Zeichnung die an ein Phantom erinnerte.

Pfürtzelchen war sehr lieb, dass hatte sie von ihrer Mutter, aber die meistern Eigenschaften hatte sie von ihrer Großmutter. So stellte sie schnell ihre Mutter in den Schatten (wie auf dem Bild zu sehen) und verbrachte ihre Zeit lieber mit Jenny.

Sie war ein echter Zirkushund, Tanzen, Purzelbaum, und etwas auf der Nase balancieren brachte sie sich praktisch selber bei. Nur mit Fliegen und Geschwindigkeit hatte sie Probleme, aber auf dem Boden war kein Gelände zu wild, kein Hindernis zu Hoch, und kein Abgrund zu steil.

Jenny hatte endlich mal eine ebenbürtige vierfüßige Begleitung für unsere Expeditionen in die Natur. Hier seht ihr meine 3 „Mädchen“ beim Überqueren eines zugewachsenen Gebirgsbachs, mittels eines umgekippten Baums.

Je älter Jenny wurde, desto mehr verblüffte sie uns. Die meisten ihrer Hunde untypischen Taten würden sich sehr nach Übertreibung anhören wenn ich sie beschreiben würde, aber dennoch will ich zumindest über eine Demonstration ihrer Intelligenz und ihres Charakters berichten:
Obwohl Jenny bei uns in Freiheit lebte, gab es einige Tabus. Terrarien, Betten, und Tische waren für sie (außer mit Sondergenehmigung) verboten.
Beim kochen stellte Uschi viele kleine Fleischkugeln her, und legte sie in Reihe und Linie auf den Tisch. Da noch anderes zu tun hatte, und Jenny ja nie auf den Tisch gehen würde, verließ sie den Wohnwagen, und ließ Jenny allein. Irgendwas kam dazwischen, und es dauerte viel länger als beabsichtigt. Zu lang für Jenny, zur Bestrafung klaute sie eine Fleischkugel. Mit Schrecken bemerkte sie, dass nun wo das Stück fehlte eine Lücke war, die Uschi sofort bemerken würde. Nun begann sie mit der Nase die Nachbarstücke zu verschieben, worauf natürlich eine neue Lücke entstand. Nach vielen „Zügen“ hatte sie es geschafft, dass alle Kugeln den gleichen Abstand zu einander hatten (nur lagen diese nicht mehr in „Reih und Glied“) Als Uschi zurückkam ließ sie sich nichts anmerken, denn die vielen Schleifspuren bewiesen welche Mühe sich Jenny gegeben hatte, so gönnte sie ihr das Erfolgserlebnis. Außerdem hatte sie keine Lust eine solche Leistung zu bestrafen, und dass hätte sie ja als konsequente Hundeerzieherin gemusst, wenn sie etwas bemerkt hätte.

Jenny war bis zu ihrem 14.Lebensjahr topp fit, dann alterte sie zusehends. Zuerst nahm ihre Sehkraft stark ab, dann wurde sie stark schwerhörig. Auch ihre Motorik wurde sichtbar schlechter, und sie wurde immer unsicherer. Als sie dann auch noch vor meinen Augen von einem großen Raubvogel angegriffen wurde, (sie war ja nicht größer als ein Kaninchen) und es ihm sogar gelang sie nen guten Meter anzuheben, bevor ich den Vogel vertreiben konnte, war Selbstvertrauen völlig zerstört. Sie blieb von da an immer in meiner unmittelbaren Nähe, und immer öfter, und immer länger, zog sie sich in ihre Villa zurück. Ich hatte bemerkt dass sie keine Freude mehr am Leben hatte, und es kam mir vor als würde sie auf ihren Tot warten.
Als sie ein paar Monate später aus ihrer Nachtruhe nicht mehr erwachte, sah es aus, als hätte sie wieder mal gewonnen. In bequemster Schlafposition mit geschlossenen Augen, und einem leichten Lächeln im Gesicht war sie für immer eingeschlafen.


Das letzt Photo von meinem „Kumpel“ Jenny

Marylin starb ein Jahr später, sie war von den vielen Babys ausgelaugt, aber bis zum Ende bei bester Gesundheit. Sie war im Alter sehr häuslich geworden und streunte nur noch selten. Ich wunderte mich sehr, als sie eines Morgens keine Ruhe gab und unbedingt raus wollte. In einem Gestrüpp nahe unserer Wohnwagen begann sie zu buddeln, ich dachte sie hätte dort was versteckt, aber sie grub eine Mulde, legte sich rein, und verstarb.

Nun hatten wir nur noch Pfürzelchen, aber leider auch nicht mehr lange. Sie hatte die Begabung sich mit Jedem anzufreunden, und wurde wahrscheinlich von einem „Freund“ gestohlen, der begriff, dass man sich einen solchen Hund nicht einfach kaufen kann.

Nachdem wir fast ein Jahr keinen Hund hatten adoptierten wir nen kleinen pechschwarzen Pudel

Da sich ein schwer auszusprechender Name sich bestens bewährt hatte, und das kleine Pudel-Mädchen so schwarz war, dass sich nur der Schmutz an ihren Füßen als heller absetzte, nannten wir sie Schmutzfuß
Sie war sehr lieb und anhänglich, aber ihre markanteste Charaktereigenschaft war ihre (ansteckende) Lebensfreude. Sie hatte immer gute Laune, und für sie war es das Schönste in unserer Nähe zu sein. Aber sie genoss auch Alles was ihr das Leben bot in vollen Zügen. Als echter Gourmet machte sie aus jeder Fütterung einen Festakt, bei dem sie sich das Allerleckerste bis ganz zum Schluss aufhob. (alle anderen Hunde die ich kenne stürzen sich immer zu erst auf das Beste)

Schmutzfuß suchte immer jemanden zum spielen, war aber dabei nicht aufdringlich. So schloss sie auch schnell Freundschaften mit weniger umgänglichen Artgenossen, wie mit diesen grimmig-brummigen Wachhund. Da Dieser fast genauso schwarz war wie sie selber, musste ich dieses Photo sehr aufhellen, damit man die Beiden auseinander halten kann.

Sie war sehr häuslich, aufmerksam, anspruchslos, und bis auf gelegentliches Trimmen, Pflegeleicht. Sie war unser erster Hund den man auch in einer Wohnung hätte halten können.

Nach dem Trimmen kann man auf einem Photo sogar etwa von ihrem Gesicht erkennen, auf den meisten Photos ist sie nur ein schwarzer Fleck.

Schmutzfuß war sehr gelehrig und hatte viel Spaß daran besonders gut zu sein, so war sie sehr schnell verkehrssicher. Sie ging „bei Fuß“; verließ den Bürgersteig nicht, und machte an einer Ladentür „Platz“, und rührte sich nicht solange ich im Geschäft war. Zugfahrten, Hotels, Restaurants, waren kein Problem, sie passte sich immer bestens an, und wurde so schnell zum selbstständigen „Ständigen Begleiter“
Leider wurde sie Opfer einer traurigen Weihnachtsgeschichte. Als Uschi mich an einem „Heiligabend“ bat ihr noch ein fehlendes Gewürz für ihr Festessen zu besorgen willigte ich gerne ein, denn so konnte ich noch Beigaben für Uschis Geschenk besorgen. Wie gewohnt begleitete mich Schmutzfuß in das nah gelegene Dorf, und wie gewohnt wartete sie vor den Ladentüren der Geschäfte in denen ich etwas für Uschi suchte. Zum Schluss gingen wir noch zum „Tante Emma Laden“ um das Gewürz zu kaufen. Schmutzfuß kannte den Laden und machte sofort auf einem Platz ihrer Wahl platz, bevor ich ihr einen zuweisen konnte. Im Laden erachteten mich einige Damen in Weihnachts-Stimmung. Obwohl sie begeistert beobachtetet hatten wie schön der kleine Hund vor den Ladentüren platz machte, bedrängten sie mich doch den süßen kleinen Hund rein zu lassen, schließlich sei es kalt draußen, und außerdem sei es Weihnachten, da müsse man auch mal Ausnahmen machen. Ich ergab mich der „Oma-Power“ und ließ sie rein. Unsicher, da im „verbotenen Bereich“, ließ sie die Begrüßung und das übliche „Gebabbel“ (mit dem sie üblicherweise kleine Kinder, und „süße Tiere“ nerven), über sich ergehen, und verlor mich dabei aus den Augen. Als dann eine neue Kundin den Laden betrat, und die Tür offen ließ, geriet sie in Panik. Sie war es gewohnt an der Tür auf mich zu warten, nun war die Tür auf, und ich nicht da. Sie peste so schnell durch die Tür ins Freie, dass sie, auch wegen zwei Eingangsstufen, nicht mehr auf dem Bürgersteig bremsen konnte, Sie geriet auf die Fahrbahn, und wurde von einem der wenigen Autos, die die da stündlich vorbei kamen, angefahren. Diese Weihnachtsgeschichte bescherte Schmutzfuß einen schnellen Tot, und uns „frohe Weihnachten“
Aber was währe eine Weihnachtsgeschichte ohne Happyend?
Am 2.Weihnachtstag viel uns die Decke auf den Kopf, und wir besuchten einen Flohmarkt. Wir waren viel zu spät, und viele Händler packten schon ein. Da auf dem Markt der Handel mit Tieren verboten war, hatte sich ein verzweifelter Familienvater mit einem Karton voller Welpen an den Ausgang gestellt, und rief; „ich verschenk sie, oder ich mach sie tot“
Uschi wollte auf keinen Fall schon nen neuen Hund, aber ich spielte ein wenig mit den Babys, und bemerkte dass von den 8 (viel zu jungen) Welpen nur eines weiblich war. Ich betrachtete die Situation als Wink der Götter, und hatte mich eigentlich schon entschieden, als ich Uschi das kleine Kuscheltier in die Arme legte. Ich bot dem Mann an die Kleine zu kaufen, wenn er sie noch ein paar Wochen bei der Mutter ließ. Aber er sagte mir dass die Mutter die Babys vertreib, und gar feste beißen würde. Die Babys würden deswegen tags und nachts quietschen, Der Hausegen hing schief, seine Kinder waren traurig, und seine Frau „ungehalten“. Da die Tierheime in den Städten so junge Welpen nur mit dem Muttertier aufnehmen, und er seinen Hund nie hergeben würde, mussten wir uns sofort entscheiden.
Uschi war inzwischen so entschieden. dass sie nicht mal bemerkte, dass die Kleine als einzige der Geschwister ohne Schwanz geboren war.

Unser neuer „Pyrenäischer Hirtenhund“ bekam von Uschi den Namen „Shira“
Sie war extrem anhänglich und häuslich, den Wohnwagen verlies sie nur für ihre Notdurft, und dann auch nur in Begleitung. Entleerungsmäßig war sie absolute spitze, sie war der einzige Hund den ich kenne, der seine kleine- sowie große Geschäfte sofort, ohne hundeübliches Vorspiel, und möglichst nahe an der Wohnwagentür erledigte. Schon als Baby bestand ihr „Gassi-Gehen“ aus einmal ducken, abdrücken, und fertig. Ich hatte sie kaum auf den Boden gesetzt, war sie auch schon entleert und wollte wieder rein.

Sie war besonders niedlich, sah aber nicht so aus wie ich Pyrenäische Hirtenrhunde von Abbildungen her kannte. Sie erinnerte mich eher an einen Cocker Spaniel
(wie ich später erfahren habe, sind Pyrenäische Hirtenhunde nahe verwandt mit Spaniel, und werden so oft ohne Schwanz geboren.)

Nach wenigen Wochen hatte sich Shira in einen kleinen Eisbären verwandelt


Mehr und mehr erwies sie sich als idealer Hund für eine Haltung in geschossenen Räumen. Am liebsten saß sie bei uns auf dem Schoss, oder sie suchte sich einen geschützten Platz in unserer Nähe, von wo aus sie Alles überblicken konnte.
(wie hier in Uschis Schreibtisch)

Mit Sport und Abenteuer hatte sie nichts zu tun, Spaziergänge durften nicht länger als 100m sein, sonst trottelte sie (mit einem kleinen schwarzen Wölkchen auf dem Kopf) weit hinter uns her, und musste ständig gerufen, oder an die Leine genommen werden. Allerdings stellte sich sehr früh der Schäferhund-Instinkt ein, und sie versuchte uns immer zusammen zu halten. Wenn wir uns beim spazieren gehen etwas trennten, lief sie von Einem zum Anderen, um uns wieder zusammen zu führen.

Shira, etwa 6 Monate alt

Auch als Halbwüchsige konnte Shira an der Natur nichts Schönes finden. An anderen Hunden hatte sie (ihr ganzes Leben lang) kein Interesse, Menschen gegenüber war sie sehr zurückhaltend, und Kinder konnte sie nicht leiden. Nur wer sie nicht bedrängte hatte eine Chance ihr Freund zu werden, dann aber für immer. Sie pflegte ihre Freundschaften, so konnten weder Uschi, noch ich mit Leuten die sie mochte telefonieren, ohne dass auch mal den Hörer haben wollte, ihr hu hu hu rein jaulte, und intensiv zuhörte was ihre Freund zu sagen hatten. Wenn Uschi und ich untereinander telefonierten wurde sie so wild, dass wir sie zuerst dranlassen mussten, denn erst nach einer Begrüßung gab sie Ruhe.

Shiras Welt waren unsere Autos und Wohnwagen, dort fühlte sie sich sicher, bekam etwas von der Außenwelt ab, und nahm permanent an unserem Leben teil.

Sie war sehr neugierig, so war ihr Lieblingsplatz im Zentrum alles Geschehens, an der Eingangstür in Uschis großen Wohnwagen.
Ihre panische Angst vor allem Unbekannten (wahrscheinlich von ihrer bissigen Mutter, und ihren zahlreichen wilden und stärkeren Brüdern verursacht) machte sie zu einem ständig anwesenden Begleiter. Nach den ganzen Streunern und Abenteurern war sie mal ein Hund um den man sich nicht ständig kümmern und sorgen musste.
Obwohl ich sie aufgezogen habe war sie total auf Uschi fixiert, und die Beiden wurden unzertrennlich.
Nachteilig erwies sich nur ihr Watte-ähnliches Fell, welches überall kleben blieb, und ständig verfilzte.

Häufige Fellpflege war angesagt, hier Uschi beim Beischneiden und Entfernen von Kletten und verfilztem Fell.

Dazu einmal in der Woche duschen…



…und trocknen.

Im Frühjahr kommt die Matte runter. Das Resultat???.

Na, ja, aber bald ist sie wieder das von vielen Leuten bewunderte Zotteltier.


Wir ließen ihr Fell so naturbelassen wie möglich, und erreichten so den Shira- Look.
Shira war ohne Zweifel Uschis Hund, ich war ihr zu wild, und mein Waggon (wegen der Reptilien) zu warm, Aber wir hatten ein gemeinsames Hobby, die Musik.
Sie war sehr musikalisch, schnell hatte sie gelernt Harmonien einen passenden Ton zu zuordnen, Diesen zu treffen, und zu halten. Später hatte sie gelernt sich mehrere Noten zu merken, und in Stücken, die sie gut kannte und in ihrer Tonlage lagen. gelang es ihr sich in die Begleitung zu integrieren. Besonders meine Musik hatte es ihr angetan, sobald ich meine Synthesizer anschmiss stellte sie sich in Position und wartete auf ihren Einsatz.
Sie war ne miserable Solistin, aber als Background-Sängerin war sie tierisch gut.

Besonders mein Stück „Raid“ hatte es ihr angetan, denn sie war von der Entstehung bis zur Fertigung anwesend, und ich habe sie immer gelobt, wenn sie ihre Töne besonders gut getroffen hatte. Schon bei den ersten 2 Takten erkannte sie ihren Song, und stellte sich in Position, schloss die Augen, und sang.

In ihrem geliebten Auto sang sie am liebsten, sobald das Radio an war, summte sie vor sich hin. Nur wenn meine Musik gespielt wurde, sang sie „Volle Suppe“
Ein anderes High Light waren für sie unsere regelmäßigen Flohmarkt-Besuche, da wurde nur langsam promeniert, und sie konnte, da Uschi und ich uns trennten, mal den Einen, mal den Andern begleiten, und jedes Mal wenn wir uns begegneten, den Partner tauschen. Sie war ein echter Flohmarkthund, sie kam nicht nur von Einem, sondern benahm sich dort auch so zivilisiert, dass sie dort, als einzige unserer Hunde, keine Leine brauchte.

Der absolute Höhepunkt jedes Tages war unser gemeinschaftliches Abendessen. Da bekam sie unterm Tisch Speiseabfälle, und zwischendurch mal ein Stückchen Fleisch, und nach dem Essen, die Reste. Auch die Ruhepause nach dem Essen, die wir Drei zum kuscheln nutzten, waren Kult. Sobald Uschi anfing dem Tisch zu decken, schoss Shira los um mich zuholen, und nie ging es ihr schnell genug.
Leider wurde sie im Alter 9 Jahren, von einem Tag aus den Anderen, von einer Blutvergiftung, verursacht durch eine unbemerkte Entzündung ihrer Eierstöcke, aus dem Leben gerufen.

Wir hatten einen echten Freund-Hund verloren, der uns, und vor Allem Uschi, mehr liebte als alles Andere auf der Welt
Besonders schlimm war es für Uschi, denn sie hatte ja ihren ständigen Begleiter verloren, wie schon beim Tot von Schmutzfuß wollte sie so schnell keinen neuen Hund mehr.
Doch ich hatte bei einer Spazierfahrt auf meinem Moped ein Zigeunerlager entdeckt, die sich ein Zubrot damit verdienten, in dem sie alles mögliche Viehzeug züchteten. Ich kaufte von da an die Futtertiere für meine Schlangen bei ihnen, und fragte (mehr zum Scherz) ob sie nicht auch kleine Hunde züchteten. Als Antwort zeigte man mir, versteckt zwischen einigen Schrottautos, ein Welpenlager.
Ich holte Uschi, und wollte, da die Welpen erst 6-7 Wochen alt waren, ein Mädchen reservieren. Wie erwachtet waren die Babys keine Shira, und Uschi wollte keins. Ich dagegen hatte mich sofort in ein kleines, überwiegend weißes, Mädchen verguckt, und übernahm dieses Mal die Endscheidung.
Da die Kleine mit Flöhen übersäht war, und sie zwischen Müll und Schrott, auf einem mit Ölflecken und Kippen übersäten Boden lebte, überlegten wir ob wir sie nicht sofort mitnehmen sollten, aber als Einer der Leute mit einem 50kg Sack Schwefel die Parasiten bekämpfen wollte, schnappte ich mir die Kleine, bezahlte sie, und war wieder Hundebesitzer.

Wir nannten das kleine Jack-Russell Mädchen „Mendi“. Sie war, obwohl noch Säugling, schon extrem selbstständig, und wirkte wie ein erwachsener Mini-Hund.

Ruck-Zuck hatte auch Uschi sie in ihr Herz geschlossen.

Mendi ist mal wieder ein Abenteuer-Hund, dem selbst ein Riesenhund (in dessen Maul sie gepasst hatte) keine Angst einjagen konnte. Auch konnten ihr Spaziergänge nicht lang genug sein, mit Begeisterung tippelte sie solange hinter mir her, bis sie vor Müdigkeit, von einer Sekunde auf die Andere einschlief, und nachhause getragen werden musste.
Glücklicherweise hatten wir Mendi sofort mitgenommen, denn durch den extremen Floh-Befall (den wir schnell bekämpfen konnten) war sie nun so extrem von Würmern befallen, dass sie mit Sicherheit eingegangen Währe, wenn wir sie nicht sofort zum Tierarzt gebracht hätten. Selbst mit immer stärker werdenden Medikamenten, dauerte die Behandlung über 10 Wochen bis sie Wurm frei war.

Sie hielt Uschi ganz schön in Trab, so hatte sie kaum noch Zeit an Shira zu denken

Schon am Fläschchen bewies sie ihre Intelligenz, anstelle Tröpfchen für Tröpfchen raus zu nuckeln (was ewig dauert) pustete sie den Gumminuckel in die Flasche, und saugte ihn wieder aus, so konnte sie in etwa 10-15 Zügen ihre Pulle leeren.

Nach dem Essen eine Mischung aus beißen und schmusen.



Es dauert nun nicht mehr lange bis sie den Gesichtsausdruck bekam, den sie immer kurz vorm Umkippen und blitzartigen Einschlafen bekam.

Wenn sie schläft, schläft sie, daran kann auch das Geratter einer Nähmaschine nichts ändern.

Bald war sie Uschis neue Begleiterin, wenn sie Genehmigungen und Säle für unsere Reptiles-Show auftreibt, oder Reklamefahrten macht

Auch für Mendi wurde unser Auto schnell zum wichtigen Bestandteil ihres Lebens

Gibt es etwas Schöneres als ein kleines Nickerchen bei voller Fahrt, auf Herrchens Schoß?
Allerdings ist eine solche Position nicht ohne Gefahr, denn sie kann so fürchterlich pfurtzen, dass man nicht glaubt dass so ein Mief von so nem kleinen Hündchen kommt. Meistens werde ich verdächtigt, doch wer einige Zeit mit ihr spielt wird eines Besseren belehrt.
Diese „Begabung“ hat ihr von mir dem Namen „Käte von Gasoline“ eingebracht, wobei Käte für „Kuh-ähnliche Tier-Einheit“ steht.

Mendi schafft es zwei Herrchen (Alphatiere) zu akzeptieren, ich kümmere mich Morgens um sie, gehe mit ihr jeden Morgen mindestens eine Stunde Spazieren, und füttere sie. Danach geht sie mit Uschi auf Fahrt. Wenn Uschi zuhause bleibt verbringt sie ihre Zeit mit dem Herrchen bei dem mehr los ist, oder einen bequemeren Schlafplatz bietet. Am schönsten ist es aber für sie wenn wir drei Warmblüter zusammen sind.

Das Stärkste ist für sie ist aber Moped fahren, dafür läst sie alles Andere stehen

Genau so intensiv wie sie sich austobt kann sie sich auch ausruhen

Auch wenn sie dabei die lustigsten Stellungen einnimmt.

Mendi ist nun 10 Monate alt, und sie hat uns bereits mehr Sorgen bereitet als Shira in ihrem ganzen Leben, aber auch sehr viel Freude. Es vergeht kaum ein Tag an dem sie keinen Blödsinn macht, sie klettert auf Alles, und kommt oft nicht alleine unter. (einmal ist sie in einer riesigen Halle auf einem schrägen Dachträger so hoch geklettert, dass ihr der Mut verließ und sie sich weder vor, noch zurück traute. Da keine so lange Leiter aufzutreiben war, musste ich wie ein Affe auf den glatten Holzträger hoch klettern, sie bergen, und mit ihr im Arm wieder runter rutschen)
Ein anderes Mal verfolgte sie eine Ratte in ein Abwasserrohr, kam in Rutschen und landete in einem unterirdischen Wasserbecken, aus dem sie ohne Hilfe nicht mehr raus kam. Uschi konnte ihr Gejammer hören, kam aber nicht an sie ran, obwohl sie selber einige Meter in das Roh gekrabbelt ist. Erst ein aufwendiger Einsatz der Feuerwehr konnte unsere Mendi retten.
Einmal war sie für einige Stunden spurlos verschwunden, und wir dachten sie währe mal wieder irgendwo rein gekrabbelt, oder reingefallen, oder man hätte sie uns geklaut (währe ja nicht das erste Mal), Stundenlang suchten wir ohne Erfolg Alles ab, und Uschi fing schon an zu verzweifeln, als sich rausstelle dass sie unbemerkt in ein fremdes Auto geschlichen war, und nicht mehr raus kam. Auch in Lagerhallen hat sie sich schon einschließen lassen, natürlich als die Arbeiter Feierabend machten. Und und und…
Dazu kamen noch Sachen für die sie nicht konnte, wie ein verschluckter Milchzahn, der sich in ihrem Hals festgesetzt hatte, und an dem sie wahrscheinlich erstickt währe, wenn ich ihn nicht mit bloßen Händen rechtzeitig rausgekriegt hätte. Bissverletzungen und Schnittwunden sind nichts Außergewöhnliches, ja man muss schon sagen, dass sie uns in Trapp hält.
Dafür ist sie aber ein besonders lieber, aufmerksamer und respektvoller Gefährte, nie geht sie an Etwas von dem sie weis, dass es Uschi oder mir gehört, wenn sie merkt dass man mit etwas Wichtigem beschäftigt ist versucht sie nicht zu stören, und sie teilt auch mit Jedem ihr letztes Leckerchen ohne zu knurren.
Zurzeit lernt sie sich im Straßenverkehr richtig zu benehmen, und es klappt schon ganz toll.
Alles zusammen ist sie schon jetzt ein überdurchschnittlicher Hund, aber sie ist ja noch im Kindesalter
Jeden Tag lernt sie was Neues, und als erfahrene Hundehalter, ahnen wir was auf uns zukommt, und freuen uns darauf.