Vogelspinnen

 

 

Es Leben über 600 Vogelspinnenarten in allen tropischen Teilen der Erde. Sie können über 12 Jahre alt werden und einen Durchmesser von 25 bis 30 cm erreichen.
Es sind Einzelgänger und bevorzugen dunkle, schattige Aufenthaltsorte.
Die Vogelspinne spinnt zwar vor ihrem Schlupf ein Netz, doch dient dieses nicht dem
Beutefang, sondern nur als Alarmsignal. Die Spinne muss ihr Opfer selber fangen, dazu sind ihre Pedipalpen als Fangbeine ausgebildet.

 

ANATOMIE:

 

Ihr Körper besteht aus zwei Teilen: dem cephalothorax (Vorderteil) und dem Abdomen (Hinterteil)
Der Cephalothorax besitzt 12 Gliedmasse. Das erste Paar, die Cheliceren, sind Fresswerkzeuge. Sie haben sich zu Giftwerkzeuge entwickelt. Das zweite Paar, die Pedipalpen, dienen als Fang- oder Tastwerkzeuge. Danach kommen vier Paar Laufbeine.

Grammostola rosea


HÄUTUNG: Um wachsen zu können müssen Vogelspinnen etwa einmal im Jahr häuten (Jungtiere wachen schneller, und häuten deswegen häufiger). Sie legen sich dazu auf den Rücken, werfen das Oberteil des Cephalothorax wie einen Deckel ab, und schlüpfen aus ihrer alten Haut.

Diese Vogelspinne hat sich auf einer Schieferplatte, die ich als Wärmespeicher in ihr Terrarium eingebaut habe, zum Häuten einen Teppich gewebt, und liegt nun mit dem Rücken darauf

 

Nachdem sie den "Deckel" ihres Cephalothorax abgeworfen hat, schlüpft sie aus ihrer alten Haut

 

Nun ist es bald geschafft, nur der Abdomen ist noch mit der alten Haut verbunden

 

Da ihre Beine noch zu weich sind um ihr Gewicht zu tragen, muss sie noch auf dem Rücken liegen. Auch ihre Giftklauen sind noch weiß, und weich wie Gummi.

 

Nach etwa 5 Stunden ist ihre Haut (eine Art Außenskelett) soweit gehärtet, dass sie sich wieder rumdrehen kann. Die komplette Aushärtung dauert ein paar Tage, nur in dieser Zeit kann sie wachsen. An der alten Haut ist noch der Deckel mit der Hülle des Abdomens verbunden

Wenn man den Deckel wieder an seinen Platz bringt, und dem Abdomen mit Watte ausstopft, ist die Haut von einer lebenden Vogelspinne kaum zu unterscheiden. Ich habe es hier noch nicht getan, damit ihr die "Kanäle" seht aus dem sie ihre Beine gezogen hat.

 

ERNÄHRUNG: Die Vogelspinne ernährt sich hauptsächlich von großen Insekten, frisst aber auch kleine Wirbeltiere. Sie springt auf ihre Beute, umklammert sie mit ihren Fangbeinen und vertieft ihre Giftklauen. Das dabei injizierte Gift tötet die Beute, und dient als Verdauungssaft. So kauen sie das Gift nach und nach in ihr Opfer, und saugen gleichzeitig eine zersetzte und vorverdaute Masse heraus. Nach der Mahlzeit bleibt nur die ausgesaugte, verschrummpelte Hülle des Opfers übrig.


Eine Vogelspinne hat eine kleine Maus erbeutet.

 

VERMEHRUNG: Nach der Paarung stellt das Vogelspinnenweibchen einen wasserdichten Kokon her, in dem sie zwischen 300 und 400 Eier legt. Je nach Art und Temperatur,verlassen nach ungefähr 40 bis 55 Tagen die Jungen, die schon seit etwa 10 Tagen aus ihren Eiern geschlüpft sind, den Kokon. Die Jungen versammeln sich noch einige Tage auf dem Rücken der Mutter, häuten sich und gehen ohne weitere Brutpflege ihres Weges.

GIFT: Es erzeugt neben Übelkeit und Fieber, Atembeschwerden, Herzrhythmusstörungen und zerstört Gewebe und Organe. Der Tode tritt meist durch Atemlähmung ein.
Einige Vogelspinnen können in seltenen Fällen für den Menschen tödlich sein. Es hängt von der individuellen Verträglichkeit, der Biss-Stelle und natürlich der Menge des verabreichten Giftes ab.


Eine Vogelspinne hat sich in einen Stift verbissen, und lässt auch nicht los wenn man sie anhebt.

 

Ihre Haare sind ebenfalls giftig. Sie sind mit einem feinen "Puder" (Brennhaare) überzogen. Die können allergische Reaktionen der Haut, und besonders der Schleimhäute, hervorrufen. Eingeatmet bewirken sie Atembeschwerden. Reaktionen variieren natürlich je nach Art der Vogelspinne, hängen aber auch stark von der individuellen Empfindlichkeit gegenüber diese Allergens ab.
Bei Gefahr reibt sich die Spinne mit ihren Hinterbeinen über ihren Hinterleib und löst so die feine Brennhaare, die sich dann in der Luft verteilen.
So kann sie zum Beispiel, falls sie nicht hungrig ist und ihr Gift nicht verschwenden will, eine kleine Maus vertreiben. Wenn die Maus auch ein Beutetier ist, stellt sie für die Vogelspinne durch ihre langen scharfen Zähne eine Gefahr dar.

Einige Vogelspinnen, wie hier meine aus dem nördlichen Teil Südamerikas stammende Avicularia avicularia (Rotfuß –Vogelspinne), weben sich eine Behausung. Die obere Fläche dient zum fangen der Beute. Unten befinden sich eine Wohnröhre und die Vorratskammer.

Obwohl Avicularias eigentlich zu den Baum-Bewohnenden Arten zählen, gibt es einige Spezies die ein leben auf dem Erdboden bevorzugen, wie meine Avicularia avicularia, die die Baum-Rückwand (mit Schlupflöcher) ihres Terrariums nur für ihre seltenen Spatziergänge nützt.

Avicularia avicularia

Avicularia avicularia und die noch schönere blauschwarze Avicularia metallica sind zahm und ziemlich anspruchslos, und daher ideale Vogelspinnen für die private Haltung.
Man findet sie fast so häufig im Handel wie Brachypelma albopilosum, welche als Einsteiger- Vogelspinne bekannt ist.
Ebenso empfehlenswert ist die aus Chile stammende Grammostola rosea, die schon eine beachtliche Größe erreichen kann


Eine Brachypelma albopilosum zum Größenvergleich auf einer Zigarettenschachtel.

 

Die beliebteste Vogelspinne ist wohl die aus West-Mexiko stammende Brachypelma smithi. Sie war schon in den 70er Jahren als Export-Tier schon so begehrt, dass sie als erste Vogelspinne unter WA-Schutz gestellt wurde.


Brachypelma smithi.


Auch in unserer Reptiles-Show zählen Avicularia avicularia und Brachypelma smithi von Beginn an zum festen Bestandteil.


Meine Partnerin Uschi mit einer Brachypelma smithi

 

So, das sind einige Arten die ich für eine Haltung empfehlen kann, sie sind ruhig, robust, und vor allen Dingen sie vermehren sich in Gefangenschaft so zahlreich, dass die Nachfrage mit Nachzuchten befriedigt werden kann, und so keine „Frischfänge“ der Natur entnommen werden. Sie ideal für Alle die einfach nur Vogelspinnen lieben, und Eine pflegen wollen.
Trotzdem darf man nicht vergessen das Vogelspinnen giftig sind, und eine Vergiftung nicht 100% berechenbar ist. Dass ihr Gift für Menschen nicht besonders gefährlich ist, darf nicht heißen unachtsam und leichtsinnig zu sein. Es gibt viele schwere, und sogar tödliche Unfälle mit Gifttieren die ein schwächeres Gift besitzen wie zum Beispiel Bienen und Wespen.
Anderseits sollte man aber auch die Gefahr nicht überbewerten, zumal nicht wenn man bedenkt wie viele Gefahrenquellen sich allein in jedem normalen Haushalt befinden (Strom, Gas, Chemie, Öfen, Werkzeuge, Küchengeräte etc.)

Für meine Show suche ich meine Tiere nach anderen Aspekten aus, sie sollen möglichst aggressiv sein, möglichst wenig ängstlich sein, und sich trotzdem manipulieren lassen.
Unsere Vorführung soll ja nicht nur lehrreich sein, sondern auch spektakulär. Da macht es schon viel mehr Eindruck wenn eine Vogelspinne aus ihrer Transportbox geschossen kommt und wild um sich beißt, als wenn man sie erst aus der Box scheuchen muss, und sie dann auch noch nichts anderes im Kopf hat, als sich zu verstecken.

Video von einer Vorführung


Eine Vogelspinne (Lasiodora striatipes) in Angriffstellung macht schon Eindruck

 

Wie auch bei den Schlangen, sind wir bemüht dem Publikum verständlich zu machen, dass Vogelspinne nicht gleich Vogelspinne ist, so zeigen wir extrem ruhige Arten aber auch extrem Aggressive.
Eine der Aggressivsten und, neben der Theraphosa blondi (leblondi), auch die Größte Vogelspinne, ist die, in Venezuela beheimatete, Pseudotheraphosa apophysis. Wer sieht wie wild diese Spinne in alles beißt was ihr zu nahe kommt, kann nicht glauben dass man sich dieses Tier ins Gesicht setzen kann, ….bis ich es tue!!


Nicht zum Nachmachen